Politbörse

heutiger Tag

Meldungen aus den letzten Tagen: In Frankfurt wird ein Kind vor einen Zug gestoßen, in Stuttgart schafft ein offensichtlich Verrückter mit einem Samurai-Schwert klare Verhältnisse, in Düsseldorf werden Schwimmbadbesuche zum Heimatfronturlaub, in Hamburg wird ein Rabbi bespuckt, weil er leichtsinnig genug war, als Jude erkennbar zu sein. Und das ist nur die Spitze des tobenden Wahnsinns, der in dieser Freiluftanstalt an der Tagesordnung ist (ich verlinke das jetzt nicht. Ich gehe davon aus, dass jouwatch-Leser in der Lage sind, Google zu bedienen und den Nicht-jouwatch-Lesern, denen dieser Artikel in die Hände fällt, bin ich nicht bereit, Bildung kostenlos frei geistiges Irren- und Armenhaus zu liefern. Die sollen ihre Klicks gefälligst allein machen. Schaffen sie bei Tinder ja auch).

Politik und Medien und viele, vielleicht sogar die Meisten ihrer Zuschauer, Zuhörer und Leser #sindhier voll am Start und erklären, dass dieser sonn- und werktätliche Irrsinn „völlig normal“ ist, dass es das „früher schon gab“, die Kriminalstatistik irgendwie rückläufig ist und außerdem das Abschlachten mittels eines Schwertes im Jahr 2019 statistisch gesehen irrelevant ist. Also, wenigstens, seit es am 23. September 1939 letztmalig polnischen Lanzenreitern gelang, eine deutsche Kavallerieabteilung zum Rückzug zu zwingen, bevor sie in MG-Feuer ritten. Wer Arm- und Bein- und Bahnlängen Abstand hält, der kann den öffentlichen Raum auch heute noch gefahrlos betreten.  Wenn er entsprechende Sicherheitsmaßnahmen trifft, wie beispielsweise das Meiden anderer Menschen. Man muss im Sommer ja auch nicht unbedingt ins Schwimmbad oder mit der Bahn fahren. Und für die meisten Toten gibt es neben dem Straßenverkehr ja immer noch Altersschwäche als Ursache. Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen, es ist alles prima, bis auf die Rechtsextremen, die im äußerst nahen Osten ganze Kleingartenparzellen im Griff haben. 

Ich bin restlos. Und zwar überzeugt. Nachdem ich ja ein eigenverantwortlicher, freier Mensch in einem schmerz- und schamgrenzenlos freien Land mit einer moralisch höherwertigen Bevölkerung von kasperhelmtragenden Fahrradfahrenden bin, habe ich für mich Folgendes beschlossen: Ich werde zwischen the Terroritory formally known as Deutschland und mich eine Lebenslänge Abstand  bringen. #ichbinhier und #Ihrbleibtfort, Ihr glutenallergischen Klimafürchtlinge. Ich habe Eure Gesinnungsschnüfflernase voll.  Ihr macht Euren trauriglustigen Mumpitz ab jetzt bitte allein, ohne mich.

Ich möchte mich nicht mehr in dieser trübhellen Gesellenschaft engagieren. Weder kulturell, noch politisch, noch sozial noch sonst irgendwie. Ich will nicht mehr, ich mag nicht mehr. Ich bin ein alter weißer Mann, einer der Bösen, der „Euch Eure Zukunft klaut“, obwohl ich zwar Messersets kaufe, aber nicht mit Messersets zum Einkaufen gehe. Ich „nehme Euch den Planeten“, obwohl mein Diesel mehr Filter hat als Eure Instagram-Apps. Haltet nur bitte eine Neugiernasenlänge Abstand von meinem Haus. Ich wohne hoch oben und mein Auto steht in einer gesicherten Tiefgarage, die Kinder sind eh fast erwachsen und in spätestens 20 Jahren bin ich sowieso nur noch Kompost. Was soll ich denn auch bei und mit Euch? Während hier auf der Straße fröhlich Arme, Beine und andere Gliedmaßen buchstäblich durch die Luft fliegen, macht Ihr Euch Gedanken, wie wohl die korrekte Anrede für She-Male-Cis-Transgender lautet und wie es sein kann, dass „Inselbegabte“ immer noch kein bayerisches Abi machen können.

„Hier trifft der Abschwung Deutschland besonders hart“ titelt in dieser Minute die Welt-Online. Der Spiegel, die Fachzeitschrift für Erwachsenenpädagogik und gefühlte Halbwahrheiten, die Gulaschkanone der „Demokratie mit mütterlichem Antlitz“, macht sich Gedanken um „die große Windkraftkrise“. Als ob es nicht genug Mengen an heißer Luft dieser Tage gäbe. Nein, die nachwachsende Bevölkerung dieses einst wirklich großartigen Landes hat die wehrhafte und streitbare Demokratie sowieso nicht verdient. Und kann mit ihr auch nicht umgehen. Wer für sich selbst „safe spaces“ verlangt, weil er ansonsten von solchen rechten Teufeln wie mir mit Nachfragen auf seine Hohlkörperphrasen a lá „Fluchtursachen bekämpfen“ rechnen muss, der darf im geschützten Stuhlkreis seiner örtlichen Grün*Innenkrabbelgruppe gerne ohne mich „gegen Rechts“ aufstehen und -stoßen.

Ich bleibe liegen, ich bleibe im Bett. Handelt Ihr Euer Zusammenleben und Alleinsterben mal schön ohne mich aus und freut Euch auf weitere „dramatische Veränderungen“. Ich habe eine hübsche und einfühlsame Partnerin, Netflix, Amazon und alle Folgen von „Assassins Creed“ auf PC, X-Box und Playstation, ich weiß mich ohne Euch zu beschäftigen, ich habe es hinter mir. Meine Tür bleibt jedenfalls zu, da grenze ich ganz rassistisch und radikal 99,9999% der Bevölkerung aus und stelle sie unter Generalverdacht. Da kenne ich nichts. Das mache ich. Ich gehe auch nicht mehr wählen. Wenn ich nur noch die Wahl zwischen rechten, linken, religiösen und ökologischen Ein- und Vielfaltspinseln habe, an deren Ende eine weitere Pöbel- und Pöblerperiode in der real existierenden Ochlokratie steht, dann wähle ich ein gemütliches und ausdauerndes Frühstück mit allen Folgen von „Designated Survivor“.

Wenn und falls ich leichtsinnig genug sein sollte, die meinungseinfältige und muttikulturelle, intellektuell freudlose Einöde namens Bunterepublik zu betreten, dann nur, um mich mit anderen alten weißen Männern mit hübschen Frauen zum konspirativen Schweinefleischgrillen und Zigarrenrauchen in diskreten Lokalitäten zu treffen. Und jeder, der da eine Avocado auf den Rost legt, wird sofort ausgeschlossen und muss zur Strafe zwei Stunden Katharina Schulze über die Klimafeindlichkeit von Langstreckenflügen referieren hören oder Carola Rackete-Bilder ansehen. Ohne BH. Also, der Betrachter. Oder die Betrachterin. Betrachtende gibt’s in diesen Kreisen gottseidank nicht. Die wissen da alle, was ihnen zwischen den Beinen hängt oder nicht hängt.

Eure kindlichen und kindischen Probleme möchte ich nicht haben. Die löst Ihr künftig schön ohne mich nicht. Lasst mich einfach mit Eurem Quatsch in Ruhe und geht meinethalben Bäume streicheln und „wertvolles“ Ungeziefer auf Euren Balkonen züchten. Aber verlangt nicht von mir, dass ich Euren verhätschelten Linas und Florians Asyl gewähre, wenn sie beim „täglichen Aushandeln“ einmal mehr das Kürzere gezogen haben oder der Sieger nicht warten wollte, bis sie das abgelaufene Pfefferspray aus der Vuitton-Imitation gekramt hatten. Tröstet sie und Euch mit Euren komischen Einlullstatistiken und alles ist wieder gut. Oder auch nicht. Mir egal. Gelegentlich schmeiße ich Euch ein paar Texte aus dem Computerfenster zu, damit Euer diastolischer Blutdruck mal höher als Euer Intelligenzquotient steigt. Googelt jetzt „diastolisch“. Verwechselt das nicht mit „diabolisch“. Ihr hattet Eure Chance. Ihr Muschimützenträger. Malt Euch Vulven. Am Besten die eigene. Ich geh jetzt auf den Balkon. Qualmen. Vor Zorn.

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Foto: Getty Images, Dieser Artikel wurde zuerst veröffentlicht von  Thilo Schneider

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