Politbörse

heutiger Tag

Haben Sie schon gehört von dem „Räuberhöhlen–Retter“ Made Höld, geboren in Bad Wurznach? Ein Mann Mitte 50 J. nennt ein uriges Lokal mit rustikalem Interieur sein Zuhause – „die Räuberhöhle“.
Der Sozialarbeiter bringt Unruhe in das beschauliche Ravensburg mit seinen konträren Ideen.

Wahrscheinlich kennen Sie ihn nicht! Er ist ein Friedensaktivist mit ganz eigenen Vorschlägen für die Politik und uns Menschen in Deutschland. Dieser Mann nennt sein Modell „Der Schnitt“ und zerschneiden will er die Politiklandschaft mit verschiedensten Methoden. Nun gibt es ja immer wieder Fantasten mir irrwitzigen Ideen, ob ernst gemeint oder nur als Satire, jedoch finden sich ein paar wenige gute Ansätze in seinen Vorschlägen.

Ein zentrales Thema sind die Wahlen welche nach seiner Einschätzung, immer öfter gefährliche Populisten an die Macht bringen! Aha, nun wissen wir das auch endlich! Seine Schlussfolgerung daraus: Wahlen werden grundsätzlich abgeschafft.
Jetzt wissen wir woher der Wind weht, von einem überzeugten Antifaschisten, wie Made Höld. Wie soll das seiner Meinung nach gehen? Als gelernter Druckermeister schlägt er ganz pragmatisch vor:

„Stadtbewohner“ ab der Größenordnung einer Kreisstadt erhalten ein Wahlrecht, da seiner Einschätzung nach die Landbevölkerung meist bildungsferner sei, und leichter dem fragwürdigen Charme von Despoten erliege.“ Hört, hört. Diese Aussage hielt in der Öffentlichkeit nicht lange stand, denn Gleichheit und Diskriminierungsverbote lassen so einen Vorgang nicht zu; wurde somit vom ihm schnell wieder verworfen.
Die zweite Idee von dem Mann aus Bad Wurznach betrifft die über 50jährigen Menschen in Schwaben, ja in der ganzen Republik. Seine These: Diese Menschen bekommen nur je eine halbe Stimme, denn, sie haben ja nicht mehr solange zu leben…jetzt glaube ich mich in einem falschen Film.

Aber es gibt da noch eine dritte Idee des Linksliberalen, und jetzt erklärt sich sein Modell „DER SCHNITT“ und wahrlich sehr radikal. Jegliche Wahlen, vom Gemeinderat bis zum Bundesrat sollen im Losverfahren stattfinden! Befinde ich mich jetzt im Lotteriewahn? Aber M. Höld hat ganz klare Anregungen, wie im Schwäbischen Tagblatt beschrieben: Nach dieser Bewerber- Methode kämen gleich viele Männer und Frauen ins Parlament, auch andere Bevölkerungsgruppen wie Beamte und Akademiker hätten eine echte Chance vertreten zu sein: Junge Arbeiter, Flüchtlinge, psychisch Kranke oder sogar geistig Behinderte, die momentan nicht mal so einfach wählen dürfen, kämen in Frage „Das wäre dann wirklich ein repräsentativer Querschnitt durch die Bevölkerung“ Zitat M.Höld.

Die so gewählten Abgeordneten blieben wie in M. Hölds Utopia nur 6 Jahre im Amt, und wären nach Schweizer Vorbild verpflichtet halbtags zu arbeiten, damit sie dann wieder in ihren Beruf zurückkehren können. Dies ist eigentlich ein kluger Gedanke, denn, wer nicht wiedergewählt werden will, träfe eher mutige Entscheidungen.

Ein weiterer „SCHNITT“ seines utopischen „DEMOKRATIEMODELLS“: Raus aus der Nato und der EU, ein wahrlich ein verstörender Gedanke.
Eine Idee bringt mich zum Schmunzeln: Straftäter könnten ihren Haftstrafen verkürzen, wenn sie als Erntehelfer arbeiten. Mörder vielleicht beim Spargelstechen ?? Ohne Kommentar…

M. Höld spricht sich weiterhin aus für eine „Union der Guten“. Gemeint sind ein Zusammenschluss von Deutschland mit Kanada, Neuseeland und Norwegen, einer gemeinsamen Währung, Wirtschafts- und Außenpolitik – und – gemeinsamer Armee , jedoch nur zur Selbstverteidigung. Und das schlägt ein linksliberaler Friedensaktivist vor, ich staune! Jedoch knüpft M. Höld daran Bedingungen, zum einen eine freie Presse, Garantie auf Bildung und Grundversorgung, Abschaffung von Rüstungsexporten und Verbot der Todesstrafe. Das hört sich nun etwas realistischer an.

Noch abstruser ist er allerdings in seinen Aussagen zum Thema Blut- und Organspende, Höld hat einen ganz absurden Vorschlag: Nur wer Blut spendet, erhält im Notfall Hilfe: Alte und Kranke bedürfen einer Sondergenehmigung. Wer soll diese wohl erteilen?

Das Thema Wohnraummangel will M. Höld lösen, indem die Größe behördlich festgelegt wird. Ob Einzelpersonen oder Familien, wenn mehr Fläche als berechtigt bewohnt wird, dann wird eine Abgabe erhoben, dieses Geld soll dann in den sozialen Wohnungsbau fließen. Der Aufschrei, der Tausenden Einzelhaus und Doppelhausbesitzer wäre sicher im ganzen Land einem Sturm gleich.

Zum Thema Urlaub hat M. Höld auch eine Lösung. Wenn das Ziel ein Land mit Vorwurf von Menschenrechtsverletzungen ist, sollen für diese Reisen Steuern erhoben werden. Als Beispiel nennt er die Türkei. Na ob das funktionieren könnte? Ich bezweifle es.

Sehr kreativ sein Vorschlag: Manager in Betrieben müssen alle 2 Jahre eine Woche lang mitarbeiten, die Einsatzstellen wählt die Gewerkschaft aus. Das ist ja mal ein echt guter Ansatz.

Aber jetzt zweifle ich an M. Höld erneut: Er schlägt vor, in neuen Autos werden keine Klimaanlagen eingebaut, die alten Autos sollen weiter fahren, es gibt sogar eine Prämie, damit sich die Menschen kein neues Auto anschaffen… die Dieselaffäre, CO2 Ausstoß hat Höld wohl völlig verschlafen???

Ihm gerecht als Antifaschist wird die Forderung: Jeder Deutsche bekommt zu seinem 18.Geburtstag zwei Tage Krakau, inklusive einem KZ-Besuch geschenkt. Staatlich verordnet ? Löblich schon, aber realisierbar? Wer weiß? Lerneffekt?

Ich schwanke hin und her, ist Made Höld ein Satiriker? Will er nur provozieren? Zum Nachdenken anregen? Meint er seine Vorschläge wirklich ernst? Oder ist er ein verblendeter Klimaschützer, verwirrter Demokrat oder Tagträumer? Er macht sich anscheinend um unser Land viele, wenn auch meiner Meinung nach viele unsinnige Gedanken.
Interessant und spannend sind seine Ideen allemal.

Zum Thema Wahlen ist jedoch anzumerken: diese Idee gab es bereits 2016 von dem belgischen Historiker David Van Reybrouck in seinem Buch“ Gegen Wahlen-Warum Abstimmen nicht demokratisch ist.“

Eleonore Spieth

Quelle: Schwäbisches Tagesblatt, KW 34

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