Putin hatte mit großen Anstrengungen zur Familienförderung ein deutliches Wachstum bei den Geburtenzahlen bewirkt. Doch auch heute noch gefährdet eine Altlast die bisherigen Erfolge.

Als Wladimir Putin im Jahr 2000 in den Kreml einzog, lag das Land darnieder. Seit dem Ende der Sowjetunion 1991 war die russische Bevölkerung um sieben Millionen geschrumpft – angesichts wirtschaftlicher Verelendung und politischer Unsicherheit unter dem vorherigen Präsidenten Boris Jelzin war den Menschen die Lust auf Familiengründung vergangen.

Putin schaffte es, den Trend umzukehren. „Es geht um die Zukunft unseres Landes, und darum, dass möglichst viele Kinder auf die Welt kommen“, war sein Credo, die Drei-Kind-Familie  seine Zielmarke. Bis das Umsteuern Erfolge zeigte, dauerte es zwar naturgemäß etwas – doch ab 2013 lag die Zahl der Geburten wieder über jenen der Todesfälle. 2015 kamen 1,9 Millionen Babys auf die Welt – das waren fast 700.000 mehr als bei Putins Amtsantritt. Die Bevölkerung war damit von 142 Millionen am Ende der Ära Jelzin auf 144 Millionen gestiegen.

Faktoren des Erfolgs

Im Jahr 2007 führte die Regierung den 12. September als den <<Nationalen Tag der Empfängnis>> ein. Ehepaare durften bezahlten Urlaub machen – mit dem Hintergedanken, dass neun Monate später, also am 12. Juni, dem Staatsfeiertag, ein wahrer Kindersegen einsetzen möge. Die Kalkulation ging auf, tatsächlich haben die Kreißsäle zu diesem Termin seither Hochkonjunktur. Dies zeigt, dass schon die bloße Propagierung des Familiengedankens im Allgemeinen, verbunden mit der gezielten Stützung des christlichen Glaubens durch den Staat, mehr als Symbolpolitik ist.

Mindestens genauso wichtig waren ökonomische Anreize. Mütter erhielten unter Putin einen halbjährigen Schwangerschaftsurlaub bei vollem Lohnausgleich und eine Arbeitsplatzgarantie für die folgenden drei Jahre. Zusätzlich können entweder Mutter oder Vater, aber auch andere Verwandte wie Großeltern, einen Erziehungsurlaub nehmen, bis das Kind 18 Monate alt ist; in dieser Zeit werden 40 Prozent des Lohns weitergezahlt. Ebenfalls seit 2007 gibt es ab der zweiten Geburt das sogenannte Mutterschaftskapital in Höhe von knapp 6.000 Euro, das nicht in bar ausgezahlt, aber für den Erwerb einer Wohnung oder in die Rentenvorsorge investiert werden kann. Bei der Anschaffung von Immobilien übernimmt der Staat für Familien alle Zinskosten über einer Marge von sechs Prozent- angesichts einer meist doppelt so hohen Inflation eine wichtige Absicherung.

Das Jahr 2017 zeigte, dass sich der positive Trend nicht so einfach fortsetzen lässt: Der Sterbeüberschuss lag plötzlich wieder bei 115.000 und machte das Geburtenplus der Vorjahre zunichte. Den Hauptgrund für den Rückschlag hat Putin nicht zu verantworten: 2017 und in den folgenden Jahren fehlen dem Land die Mütter, die ab 1992 nicht geboren wurden. Der Geburtentiefstand der Jelzin-Zeit schlägt 25 Jahre später negativ zu Buche. Diese Hypothek wird auch weiter auf der Gesellschaft lasten: Die Zahl der Frauen im Alter zwischen 20 und 39 wird in den kommenden Jahren um ein Fünftel sinken, ehe wieder die stärkeren Jahrgangskohorten aus der Putin-Zeit ins gebärfähige Alter kommen.

Um dem gegenzusteuern, hat die Regierung zum Jahresbeginn 2018 die Fördermaßnahmen intensiviert: Jetzt bekommen Familien bereits für den Erstgeborenen staatliche Zuschüsse, und zwar monatlich umgerechnet 150 Euro, bis das Baby eineinhalb Jahre alt ist. Um andererseits die Sterberate zu senken, muss Putin ein weiteres historisches Problem in den Griff bekommen, den Alkoholkonsum, hauptverantwortlich für die geringe Lebenserwartung russischer Männer. Ein Viertel stirbt vor Erreichen des 55. Lebensjahrs.

Abgrenzung vom Westen

<<Wir sehen, dass viele euroatlantische Staaten den Weg eingeschlagen haben, ihre eigenen Wurzeln zu verneinen beziehungsweise abzulehnen, einschließlich der christlichen Wurzeln, die die Grundlage der westlichen Zivilisation bilden. In diesen Staaten werden moralische Grundlagen und jede traditionelle Identität verneint. Nationale, religiöse, kulturelle oder sogar geschlechtliche Identitäten werden verneint. Dort wird eine Politik durchgesetzt, die eine kinderreiche Familie mit einer homosexuellen Partnerschaft gleichsetzt, den Glauben an Gott mit dem Glauben an Satan>> (Putin auf dem Waldai-Forum, 19.9.2013)

Dieser Artikel erschien zuerst in COMPACT, Juli 2018, Autor Karel Meissner.

Und Deutschland?

Hier bei uns wurde die Familienpolitik seit Jahrzehnten stiefmütterlich behandelt. Anstatt vorausschauend diesbezüglich etwas zu tun, strafte man junge Eltern mit Kindern ab. Da meistens beide Elternteile verdienen mussten um den Lebensunterhalt zu erwirtschaften, war für Kinder keine Zeit, bzw. kein Geld vorhanden. Erleichterungen für junge Menschen gab es nicht. Das desaströse Ergebnis dieser Politik sehen wir heute!

Familienpolitik, der wichtigste Faktor, um die eigene Ethnie zu erhalten. In Deutschland wurde dies über Jahrzehnte verschlafen. Heute fehlt uns der Nachwuchs.

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