Morgen ist Europawahl. Der 26. Mai 2019 ist eine „Schicksalswahl“, da der Wähler die Zukunft von Europa mit seiner Stimme beeinflusst. Ob positiv oder negativ  wird sich dann zeigen. Auch Ralph (wir nennen ihn hier einmal so) geht wählen. Er ist schon immer zur Wahl gegangen weil er es für seine Pflicht hält, außerdem will er die Geschicke seines Heimatlandes nicht anderen alleine überlassen. So weit, so gut.

Wenn man den Umfragen glauben darf, so wissen mindestens die Hälfte der Deutschen immer noch nicht, wen sie wählen werden. Ralph kann das nicht ganz verstehen, schließlich hat er seine Kreuzchen schon vor Wochen per Briefwahl gemacht. Er stimmt so oder so immer für die gleiche Partei, auch wenn ihn diese nicht immer überzeugt hat. Aber sagt, dass man in diesem „Wahlrummel“ keine geeignete Alternative finde. 

Wahlforscher würden ihn deshalb als „Stammwähler“ bezeichnen, als treuen Wähler, der eine emotionale Bindung zu seiner Partei hat. Klingt irgendwie komisch. Aber er stehe dazu. Obwohl er damit die Ausnahme ist – gerade in seinem Alter. Er ist jetzt gerade knapp 26. Also ob Kommunal-, Landtags-, Bundestags-, oder Europawahl, man braucht nicht mehr darüber nachdenken, das Kreuz kommt immer an die gleiche Stelle. 

Grafik Europawahl 2014, Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Es sind nur noch 29 % der Deutschen Stammwähler laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen. Tendenz abnehmend, die Wählerkategorie ist also vom Aussterben bedroht. 

Mir geht es gut, Deutschland geht es gut - dafür hat meine Partei gesorgt, und ich wähle sie wieder.

Aber, so sagt er, er wähle seine Partei auch nicht aus Tradition, so naiv sei er auch nicht. Auch wenn er kein Mitglied ist, so sei er durchaus von deren Arbeit überzeugt. Natürlich, alles hätte ihn nicht überzeugt, über manches war er sogar höchst unzufrieden. Die mit schöner Regelmäßigkeit stattgefundenen Richtungswechsel, der lahmende Ausbau der Digitalisierung, und das es in unserem Land wirklich gerechter zugeht, dafür hat die Partei auch nicht wirklich gesorgt. Ein vereintes Europa sei ihm wichtig und eine sichere wirtschaftliche und soziale Zukunft. Aber auch traditionelle und christliche Ansichten, zumindest die zeitgemäßen, sollten dabei nicht vergessen werden. Auch wenn also nicht immer alles stimmt, manchmal muss man eben auch in Krisenzeiten loyal sein.

Deutschland geht es gut – zumindest im Großen und Ganzen. Und Ralph glaubt, dass auch seine Partei dafür gesorgt hat. Deshalb werde er sie auch wieder wählen. Trotzdem hat er seine Entscheidung nicht ganz so einfach getroffen, wie man vielleicht vermuten könnte.

Grafik Europawahl 2014, Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Er habe sich durchaus die Wahlprogramme angeschaut, zumindest überflogen. Da finde er bei seiner Partei Passagen, die ihm gefallen. Und andere, die ihm weniger zusagen. So gehe ihm das allerdings mit jeder politischen Organisation.

Außerdem gäbe es zu seiner Partei keine wirkliche Alternative. In einer Demokratie muss man eben Kompromisse eingehen, ohne diese könnte man die Demokratie gleich abschaffen.

Aber mal ehrlich: Im Wahlkampf wird viel versprochen – auch von seiner Partei. Und was wird am Ende davon umgesetzt? Naja, er sei da eher skeptisch. Deshalb halte er es für komplett falsch, im medialen und parteipolitischen Wahnsinn dieser Tage eine Entscheidung zu treffen, hinter der er auch noch in den kommenden vier Jahren stehen soll.

Meine Partei kann immer auf mich zählen

„Ich habe bei meiner Wahl daran gedacht, was meine Partei vor einigen Wochen, ja vor einigen Monaten oder gar Jahren gesagt und gemacht hat. Und diese langfristige und ausgewogene Bilanz hat mich dazu gebracht, wieder einmal zu meiner Partei zu stehen. Die Provokationen und Anschuldigen, die sich Politiker in diesen Tagen gegenseitig an den Kopf werden, werden an dieser Entscheidung auch nichts mehr ändern.“

„Ich dürfte meiner Partei ja ganz gut gefallen. Sie kann jederzeit auf mich zählen. Das heißt allerdings nicht, dass ich sie auch zukünftig immer wieder wählen werde. Dafür erwarte ich Leistung – insbesondere nach dem Wahlkampf. Sollte ich in vier Jahren eine ganz andere Bilanz ziehen als heute, könnten meine Kreuzchen auch bei einem anderen Parteinamen landen. Rückkehr allerdings nicht ausgeschlossen.“

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