Die Themen Erziehung und Bildung haben gegenwärtig Konjunktur. Sie füllen die seriösere Presse, geben Stoff für Dokumentationen im Fernsehen, und stehen auf der politischen Agenda aller Parteien wie auch auf der Ebene der EU und der OECD obenan. Auffällig ist hier das breite Spektrum der Diskussion: Kinderbetreuung und Ganztagsschulen werden mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sinkende Geburtenraten mit der mangelnden Unterstützung von Familien und fehlendem Arbeitskräftepotential, die Reform der Bildungseinrichtungen mit Arbeitsmarktchancen und der Stützung sozialer Sicherungssysteme in Verbindung gebracht. 

Die Deutsche UNESCO-Komission gibt jährlich den sogenannten UNESCO-Weltbildungsbericht heraus, dessen Inhalt man jedoch nicht so genau nehmen sollte, da dieser in vielen Punkten mit der Realität nichts tun hat. Hier geht es überwiegend um Migranten und Migrantenkinder, bei denen bekannt ist, dass deren Bildungsniveau nicht vergleichbar ist mit dem unsrigen. Einen kurzen Abriss hieraus möchte ich hier kurz veröffentlichen. Es handelt sich um den Weltbildungsbericht für 2019, herausgegebene Pressemitteilung vom 20. November 2018: 

Bildung für Geflüchtete, Migrantinnen und Migranten kommt allen zugute.

 

Kindern von Geflüchteten sowie Migrantinnen und Migranten wird das Recht auf Bildung, von hochwertiger Bildung ganz zu schweigen, in vielen Ländern der Welt noch immer nicht hinreichend gewährt. Einige Regierungen verweigern dies gänzlich. Das stellt der Weltbildungsbericht unter dem Titel „Migration, Flucht und Bildung: Brücken bauen statt Mauern“ fest, der am 20. November im Auswärtigen Amt in Berlin vorgestellt wird. Das Autorenteam des Berichts hebt die vielfältigen Maßnahmen bei der Integration von Geflüchteten und Migranten in Deutschland positiv hervor, sieht jedoch auch Verbesserungsbedarf bei der Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem.

Die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Prof. Dr. Maria Böhmer erklärt: „Deutschland hat bei der Integration von Geflüchteten in das Bildungswesen bereits viel erreicht. Eine umfangreiche Sprachförderung, die Möglichkeit der Anerkennung von Qualifikationen für den Arbeitsmarkt sowie zahlreiche Unterstützungsprogramme für Geflüchtete in Deutschland zeigen, dass wir unsere Verpflichtung, hochwertige und chancengerechte Bildung gemäß der Globalen Nachhaltigkeitsagenda sicherzustellen, sehr ernst nehmen. Und wir sehen: Das kommt allen in Deutschland lebenden Kindern und Jugendlichen zugute! Dennoch stehen wir weiterhin vor großen Herausforderungen.

Investition in Sprachförderung zahlt sich aus

Der Weltbildungsbericht zeigt, dass die Sprachförderung von Geflüchteten in Deutschland überdurchschnittlich ist. Deutschland hat seine Mittel hier aufgestockt und stellt unter anderem zusätzlich 800 Millionen Euro für den Zeitraum 2016-2020 für die sprachliche Bildung in Kindertagesstätten durch den Bund zur Verfügung. Diese kommen zu den Mitteln der Länder hinzu.

„Die großen Investitionen in die Sprachförderung zahlen sich aus, denn Sprache ist der Schlüssel für unser Bildungssystem und unsere Gesellschaft“, betont Böhmer. Geflüchtete mit guten Deutschkenntnissen, Lese- und Schreibfertigkeiten haben laut Weltbildungsbericht eine um 19 Prozentpunkte höhere Chance auf Beschäftigung und 18 Prozent höhere Löhne. Sprachkenntnisse sind auch mit einem besseren Zugang zu Bildungs-, Gesundheits- und Rechtsdienstleistungen verbunden.

Die jüngste Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt aber auch, dass vielen Geflüchteten in Deutschland die für Ausbildungsabschlüsse oder Aufstieg im Beruf notwendigen Sprachkenntnisse fehlen. „Hier müssen wir besser werden“, fordert Böhmer.

Die Anerkennung von beruflichen Qualifikationen ist in Deutschland richtungsweisend

Der Weltbildungsbericht unterstreicht auch, dass Deutschland weltweit herausragt bei der Anerkennung der beruflichen Qualifikationen von Flüchtlingen und Migranten. Die Bundesregierung hat im Jahr 2012 das Anerkennungsgesetz beschlossen, das die Anerkennung oder Teilanerkennung ausländischer Berufsqualifikationen unabhängig vom Aufenthaltsstatus oder der Staatsangehörigkeit ermöglicht. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer Beschäftigung von Zuwanderern um 45 Prozentpunkte und den Stundenlohn um 40 Prozent, so die Autoren des UNESCO-Weltberichts.

„Auch bei der beruflichen Bildung sind wir auf dem richtigen Weg. Verlässliche Unterstützungsstrukturen von Bund, Ländern und Kommunen helfen schon jetzt, Flüchtlinge in Ausbildung und Beschäftigung zu bringen. Ich wünsche mir, dass die jungen Migrantinnen und Migranten die bestehenden Chancen noch beherzter ergreifen.“ Deutlich sei aber auch, dass fehlende Qualifikationen noch immer ein Hindernis für viele Geflüchtete auf dem Weg in eine Erwerbstätigkeit sind. „Hier müssen wir weiter in Bildung und Ausbildung investieren und Angebote so weiterentwickeln, dass sie für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein Gewinn sind. Besonders im Blick haben müssen wir dabei Mädchen und junge Frauen, denn sie haben bisher die größten Schwierigkeiten, in der deutschen Arbeitswelt Fuß zu fassen“, so Böhmer.

 

Hindernisse für Integration von Geflüchteten und Migranten

Aus dem Weltbildungsbericht geht hervor, dass 30 Prozent der unbegleiteten Minderjährigen unter 16 Jahren in Deutschland in Sonderprogrammen außerhalb von Regelschulklassen untergebracht wurden. Fast 85 Prozent der über 16-jährigen unbegleiteten Minderjährigen besuchten Sonderklassen. Die Sonderklassen vermitteln essenzielle Qualifikationen, insbesondere Sprachkenntnisse, für den Einstieg in die Regelschulklassen. Wichtig ist, dass eine möglichst rasche Eingliederung in Regelschulklassen erfolgt. „In Deutschland müssen wir sehr aufmerksam beobachten, wie sich dieses Angebot auf den Schulerfolg auswirkt“, betont Böhmer.

Manos Antoninis, Direktor des Weltbildungsberichts, erklärt: „Separierende Maßnahmen in Ländern mit hohem Einkommen von Frankreich bis Österreich und Deutschland verstärken die Benachteiligung von Einwanderern und Flüchtlingen weiter. Es hat keinen Vorteil, Einwanderer oder Flüchtlinge unterschiedlich zu behandeln. Deutschland ist stark in vielen anderen Bereichen. Das gemeinsame Lernen aller muss die nächste Aufgabe sein, der sich das Land stellt.

Da Migrantenkinder in deutschen Schulklassen schon heute oft in der Mehrzahl sind, senken sie aufgrund ihrer Sprachdefizite und Qualifikation das Bildungsniveau ab, was sich auf deutsche Schüler natürlich negativ auswirkt. Auf lange Sicht gesehen bedeutet das, statt klüger wird man in der Schule immer dümmer. Das hat langfristig natürlich nachhaltige Konsequenzen für unsere Gesellschaft.

Bildung, was ist das eigentlich?

Eine einheitliche Definition für „Bildung“ gibt es nicht, denn jeder hat eine andere Vorstellung davon. Wissen, Intellektualität und Kultiviertheit stehen für Bildung – doch auch die individuelle Persönlichkeit spielt eine große Rolle.Der Begriff „Bildung“ wird zunächst einmal mit der Schule assoziiert, in der Lehrer versuchen, ihren Schülern das Maß an Bildung zu vermitteln, welches im Lehrplan als angemessen festgelegt wurde. Demnach ist Bildung Wissen – ist Bildung Lernen und Lehren – ist Bildung Kenntnis und Erkenntnis. Doch ist das alles, was Bildung ausmacht?Als unbestrittener Urvater der modernen Auffassung von Bildung gilt Wilhelm von Humboldt, der auf der Schwelle zwischen dem 18. und dem 19. Jahrhundert die wohl weitreichendste Bildungsreform des deutschen Sprachraumes durchführte. Von Humboldt definierte Bildung als „die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen“.

Bildung als Prozess der Individualisierung

Nach dem Humboldtschen Bildungsideal ist Bildung also mehr als die reine Aneignung von Wissen – Individualität und Persönlichkeit sowie die Entwicklung von Talenten spielen eine ebenso große Rolle. Bildung ist also ein Prozess der Individualisierung, durch den der Mensch seine Persönlichkeit ausbilden kann. Der Philosoph Henning Kössler beschreibt Bildung als den „Erwerb eines Systems moralisch erwünschter Einstellungen durch die Vermittlung und Aneignung von Wissen derart, dass Menschen im Bezugssystem ihrer geschichtlich-gesellschaftlichen Welt wählend, wertend und stellungnehmend ihren Standort definieren, Persönlichkeitsprofil bekommen und Lebens- und Handlungsorientierung gewinnen“.

Eigenschaften gebildeter Menschen?

Um den Begriff „Bildung“ näher zu beschreiben sind bisher auch einige Versuche unternommen worden, Bildung anhand von Kriterien-Listen festzulegen. So gilt zum Beispiel nach dem deutschen Pädagogen Hartmut von Hentig als gebildet, wer folgende Charaktereigenschaften bzw. Fähigkeiten aufweist:

  • Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit
  • Die Wahrnehmung von Glück
  • Der Wille und die Fähigkeit sich zu verständigen
  • Ein Bewusstsein von der Geschichtlichkeit der eigenen Existenz
  • Wachheit für letzte oder unentscheidbare Fragen
  • Selbstverantwortung und Verantwortung in der res publica

Dies lässt sich auch durch eine Liste von Zielen, die als eine Orientierung für die Gestaltung von Bildungsmaßnahmen dienen kann, ausdrücken:

  • Fähigkeiten der Lebens- und Alltagsbewältigung
  • Verantwortungsbewusstsein, Kompromiss- und Friedensfähigkeit
  • Kreativität und Selbstbeherrschung

Die Bildungs-Formel

Kurz: Das Konzept der Bildung umfasst die Gesamtheit der Fähigkeiten und Eigenschaften einer Persönlichkeit. Diese befinden sich in einem permanenten Entwicklungsprozess. Darin einbezogen sind auch die Konzepte, die man meist im engeren Sinne unter ‚Bildung‘ versteht:

  • Wissen – im Sinne von ‚Kenntnis von etwas haben‘
  • Intellektualität – bezogen auf besonderes künstlerisches und wissenschaftliches Wissen (vom lateinischen intellegere = verstehen)
  • Kultiviertheit – als die im sozialen Kontext ausgebildete gepflegte und sozial-erwünschte Lebensweise

Hinzu kommen:

  • Individuelle Anlagen der Persönlichkeit sowie
  • Zeitliche, räumliche und soziale Bedingungen

So erhält man eine Mischung, die als die persönliche Bildung des Individuums bezeichnet werden kann. Ein Konstrukt, das zu den Grundrechten gehört und nur (wenn überhaupt) in Relation zum unmittelbaren Umfeld bewertet und gesehen werden kann.

Schaut man sich unsere Gesellschaft heute so an, erkennt man das die oben geltenden Gesetzmäßigkeiten für viele keine Anwendung mehr finden. Eine Gesellschaft die immer älter wird, nachkommende jüngere Leute lange nicht mehr das Bildungsniveau besitzen wie die ältere Generation vor ihnen, was soll man dabei über die Zukunft unseres Landes der „Dichter und Denker“ philosophieren? 

 
 
 
Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Schließe dich 99 anderen Abonnenten an